Ein Samstagnachmittag im März in der Heidelberger Altstadt. Die Gruppe DIALOG Interessierter trifft sich jeden zweiten Monat für ca. drei Stunden. In diesem Jahr handelt „DIALOG über Ängste und Mut im Arbeits-und Lebensalltag“. Jeder Teilnehmer trägt mit einer mitgebrachten Spende von Obst, Keksen oder Nüssen zum  leiblichen Wohl bei. Die Damen und Herren unterhalten sich angeregt bei Getränken in ansprechendem Ambiente bis alle eingetroffen sind. Jeder ist willkommen. Sobald die Temperaturen steigen, wird man sich im Freien treffen.

Bildquelle: Seb Janiak, Mimesis- Coultique

DIALOG nach David Bohm in Heidelberg ist kostenfrei und ein Teil meines Ehrenamts. Kultivierter kommunikativer Austausch ist mein Herzensthema. Bei den Treffen zeige ich den Teilnehmern wie DIALOG funktioniert. Menschliche, von Ratio und Emotion beeinflusste Sichtweisen, persönliche Fragen und Antworten zu Lebens- und Arbeitsthemen finden hier einen neuen Zugang. Der Austausch zwischen „Jung“ und „Alt“ im Sinne eines umfassenden „Leben Lernens“ auf der Basis unserer heutigen technologiebestimmten Gesellschaft halte ich für fundamental. Fasziniert vom interpersonellen, respektvollen und ein von allen akzeptierten sich Ausdrückens sowie der damit verbundenen Wahrnehmung menschlicher Vielfalt an Haltungen, Unsicherheiten und Gewissheiten, empfinde ich den DIALOG-Prozess immer wieder als Genuss.

www.gfk-institut.ch/wp-content/uploads/2015/07/a_cg_einf-bohm.pdf

 „Horizonterweiterung und Wahrhaftige Kommunikation“ für WOL

In unseren Tagen, wo sich WOL (Working Out Loud) als Teil des NEW WORK  etablieren möchte, erfährt DIALOG nach David Bohm eine lang ersehnte Renaissance, die wir als Gesellschaft nicht verpassen dürfen. Working Out Loud lebt vom Austausch, benötigt eine dialogische Haltung.   Eine „Horizonterweiterung“, findet eine Teilnehmerin. DIALOG filtert Information nicht in mundgerechte Stücke, ist weder wettbewerbsorientiert, noch steuert er Sichtweisen. Stattdessen entwickelt sich ein Perspektivenwechsel in einzelnen Teilnehmern während des Prozesses auf ganz natürliche Weise. Bewertungsfreies Zuhören mit dem Ziel, zu verstehen, statt zu erwidern. Bereicherung erfährt, wer Information verarbeiten kann, ohne Recht haben zu wollen. In einer DIALOG-Runde vermischt sich die persönliche Wahrnehmung der Teilnehmer mit akademischer und Alltagskompetenz Wir beginnen DIALOG mit einer Haltung des „Nicht Wissens“ und hören, was sich als Beitrag der Teilnehmer zeigt. Erkenntnisse entstehen aus dem „reinen“ Zuhören

„DIALOG ist eine Lebenseinstellung, die lebendige Kreativität fördert“

Als Pädagogin, IPC® Consultant und Autorin lebe ich DIALOG in meinem vielfältigen beruflichen Wirken. Auch privat gehe ich so mit meinen Kindern und Freunden um. Interpersoneller Wettbewerb schadet einem liebevollen Umgang unter Menschen, schürt Ängste, rüttelt an Zuversicht und der von uns erstrebten Sicherheit. Auch erwachsene Menschen brauchen einen vertrauensvollen Rahmen, innerhalb dessen wir sorglos spielen, ausprobieren, experimentieren können, um Lösungen für Probleme oder Fragen zu finden. NEW WORK setzt auf kreativen Wettbewerb statt interpersonellen Debatten.

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Bildquelle: Elan Project Heidelberg, Dialog und Achtsamkeit

Für WOL ist das DIALOG Format als kybernetischer Prozess unentbehrlich. Die Kybernetik (Kunst des Steuerns)  lehrt uns, dass dynamische Systeme sich wieder und wieder neu ausrichten, um in ein Gleichgewicht zu kommen. Die Beobachtung der Beobachtung (Kybernetik 2. Ordnung), welche durch DIALOG für jeden Einzelnen erfahrbar ist, zeigt, dass menschliche Sichtweisen nicht objektiv messbar sein können. Alles Gesagte kommt aus dem Beobachter. Eine dialogische Haltung wertschätzt den anderen Menschen mit all seinen Unterschieden. Im DIALOG Prozess hält die Gemeinschaft interessierter Teilnehmer den Rahmen. Wer sprechen möchte, spricht, während die anderen interessiert und geduldig zuhören, ohne zu bewerten. Die Rundumsicht auf das jeweilige Thema ohne intentionale Steuerung ermöglicht neue Erkenntnisse in den Teilnehmern. Im DIALOG – Prozess halten sie sich die Teilnehmer an die sieben Säulen der Achtsamkeit.

Erkenntnisse durch Mimesis

Mimesis, das alles verbindende, verborgene Gedankenmuster, tritt als „kollektives Bewusstsein“ an die Oberfläche. Neue Sichtweisen entstehen. Mimetisches Beobachten muss erlernt werden.

„Der mimetische Beobachter übt sich darin, a) absichtslos zu beobachten, d. h. spielerisch, ohne besondere Zwecke zu verfolgen und b) nicht-bewertend, d. h. seine Unterscheidungen nicht begrifflich fixierend.“(Franz Friczewski 9/2013, Mimesis und das Muster, das verbindet).

„Innerhalb kurzer Zeit erhielt mein festgefahrener Gedanke eine neue Perspektive“, so eine begeisterte Teilnehmerin. „ Ruhe und Zeit, Geduld und Interesse empfinde ich im DIALOG Prozess im Gegensatz zu unserer schnelllebigen Zeit als besonders wertvoll“, ist das Feedback einer anderen Teilnehmerin. Ein weiterer Teilnehmer „muss alles erst sacken lassen“ und berichtet Tage später über seine Erkenntnisse. Es scheint als stünde er an einer erhabenen Schwelle und schaue in die Ferne und auf eine neue Erlebenslandschaft. Jemand berichtet: „Seit ich bei DIALOG mitmache, kommuniziere ich vorsichtiger, überlegter.“ Eine andere Teilnehmerin fasst es so: „ Ich kann meine Meinung mutiger vor einer Gruppe äußern, habe weniger Angst vor Bewertung.“ Sie und ihr Partner hätten das DIALOG Format als mimetisches Beobachten bei einem Konflikt eingesetzt und waren überrascht über die erfolgreiche Wirkung bei der Lösungsfindung.

DIALOG als hoch demokratischer Prozess, eignet sich besonders gut für den Umgang mit  Teamkonflikten und kreativen Denkprozessen. Er setzt auf Freiwilligkeit, Abkehr vom Leistungsgedanke und Zeit.

DIALOG in Heidelberg am Samstag: 25.05.,13.07.,07.09. und 02.11.2019, je 13 -16 Uhr.

Wir freuen uns über telefonische Anfragen über www.maxalive.de.

Bildquelle: Seb Janiak, Mimesis